Keep It Simple

Twitter geistert nun schon eine ganze Zeit durch die Blogosphäre und wird in dieser heiß diskutiert. Ist dieser Dienst wirklich etwas für die Massen, der 140 Zeichen für eine sinnige Art der Kommunikation reichen? Oder ist es eher ein weiterer Dienst, der nur in der Breite der Nerds seinen Zuspruch oder eben seine breit diskutierte Ablehnung findet?

Fest steht, dass spätestens seit der Verbreitung der SMS, immer mehr Menschen bereit sind ihre Kommunikation auf wenige Textzeichen zu beschränken. Als dieser Dienst in den 1990iger Jahren zur Übertragung von Nachrichten eingerichtet wurde, dachte zumindest niemand daran, dass SMS zu einer der Hauptkommunikationsquellen in den Mobilfunknetzen werden sollte. Zwar ist die moderne Generation von Handys ohne weiteres in der Lage mehr als 160 Zeichen in einer Nachricht darzustellen (hierfür werden die Nachrichten beim Versand in die entsprechenden Blöcke zerlegt und beim Empfänger wieder zusammengefügt), aber die Beschränkung auf eben jene Zeichenlänge hat sich etabliert und die Mühen, alles in einer Nachricht zu verpacken, enden auch heute noch in einer Reihe von gebräuchlichen Abkürzungen und Sonderzeichen, die längst ihren Einzug in den entsprechenden Netzjargon gefunden haben.

Twitter tritt mit 140 Zeichen demnach in die Fußstapfen der SMS und versucht die Kommunikation in Form von einer kurzen Message für Freunde abzubilden. Freunde sind dabei alle die, die dem Versender von Nachrichten bei Twitter folgen. Es ist einfach die Nachrichten zu versenden und jeder kann ganz einfach sehen, welcher seiner "Follower" am aktuellen Geschehen interessiert ist. Von der Warte aus ist Twitter einfach zu verstehen und zu bedienen.

Fraglich bleibt an dieser Stelle nur, ob man als Nutzer des Dienstes Twitter in der Lage ist auch wirklich diejenigen unter einen Hut zu bringen, die man erreichen möchte, oder ob dieser Dienst ein Dienst ist, mit dem man seine reinen Online-Freunde erfreut (ohne jetzt in Abrede stellen zu wollen, dass man sich mit eben diesen auch auf ein Bier um die Ecke treffen kann).
Jeder der schon einmal versucht hat alle Freunde und Bekannte, die sich der Kommunikation via IM bedienen, unter einen Hut zu bringen, kann sicher ein Lied davon singen, wie schwer dieses auf den ersten Blick doch recht einfache Unterfangen ist. Es gibt die Gruppe der Freunde des ICQ, andere schwören auf die Dienst von Microsoft und wieder andere nutzen nur Skype für ihren Austausch im Internet. Es ist nicht so, dass es nicht eine Lösung gäbe, die abseits von Firmen- und Dateninteresse funktionieren würde, aber das Interesse dafür hält sich in weniger Internetaffinen Bereichen eher in Grenzen. Die Hauptsache ist, es ist einfach und man kann mit möglichst vielen Freunden Online kommunizieren.

Twitter erscheint hier als einfach Online-Lösung, da es möglich ist mit wenigen Handgriffen eine Gruppe von Freunden recht einfach auf den aktuellen Stand der Dinge zu bringen. So die Theorie...
Und es ist wie es ist, es ist einfach, wenn man sich mit den entsprechenden Funktionen beschäftigt. Man kann mittels der passenden Abkürzungen und Einstellungen sicher stellen, dass bestimmte Nachrichten nur eine bestimmte Gruppe von "Freunden" erreicht. Man kann mit eben diesen auch kommunizieren, ohne das es eine breite Masse mitbekommt, man muss nur wissen wie. Und da wäre sie wieder, die Crux des "Keep It Simple".
Einfach so die Services von Twittter zu nutzen, ohne sich wenigstens etwas damit zu beschäftigen, ist eigentlich kaum möglich. Freunde neuer Techniken, Dienste und Services, werden ihren Spaß daran haben zu sehen, welche Möglichkeiten sich aus Twitter erschließen, weniger Neugierige, die einen einfach Dienst suchen, werden sich diese neuen Welten kaum erschließen. Dafür ist der Spaß zu wenig einfach nur einfach, sondern wieder ein Dienst für eine bestimmte Gruppe von Internetnutzern.
In wie weit sich Dienste vereinfachen oder doch mehr Menschen bereit sind sich mit dem zu beschäftigen, was sie nutzen und was es für Alternativen gibt, wird die Zukunft zeigen.

Angeregt durch:
http://www.techcrunch.com/2008/08/10/why-twitter-hasnt-failed-the-power-...
http://www.dotgrex.com/dsp/2008/08/3-loops-of-designing-for-audience/

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